Deutschland, Food
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Leckeres aus Leipzig

Bislang fiel mir zum Thema Essen und Trinken in Leipzig nicht viel Aufregendes ein, eher Deftig-Unspektakuläres. Ich erinnere mich an eine lasch-langweilige Gemüsebeilage, die es in meiner Kindheit manchmal zum sonntäglichen Braten gab: Leipziger Allerlei. Aber eine Leckerei war unwiderstehlich: Die süßen Quarkkeulchen meiner Mutter, die sie auf Anregung ihrer Schwiegermutter zubreitete, und die kam aus dem Vogtland in Sachsen.

Was die Gastroszene in Leipzig betrifft, so fällt dem ehemaligen Germanistikstudenten und Goethe-Fan natürlich auch noch Auerbachs Keller ein. Mein erster Entdeckungsspaziergang durch die Stadt führte mich direkt dorthin. Zentral gelegen, mit prächtigem, in die Mädlerpassage integriertem Treppenabgang, war der Keller leicht zu finden. Hinter der breiten, historisch anmutenden Eingangstür offenbarte sich ein weitläufiges Gewölbe. Freundlich geleitete man mich an einen der braunen Holztische. Ich schaute mich um in dem weitläufigen Saal und ließ den Blick über die riesigen Wandgemälde mit Szenen aus Goethes Faust schweifen. Das rustikal-gepflegte Ambiente gefiel mir und ich griff, ohne Besonderes zu erwarten, zur Speisekarte.

Da standen sie schwarz auf weiß: die sächsischen Quarkkeulchen! In Sekunden fand ich mich zurückversetzt in meine Kindheit. Ich konnte ihn förmlich schmecken: den geschmeidigen, leicht süß-säuerlich Teig, der stets cremig auf der Zunge zerging, die perfekt harmonierenden saftigen Rosinen, dazu ein Klecks Apfelmus oder fein darüber gesiebter Puderzucker. Nostalgische Gefühle, Wehmut und Entzücken überwältigten mich. Selbstverständlich wurde die Leckerei sofort bestellt.

Quarkkeulchen bestehen aus geriebenen Pellkartoffeln, Magerquark, Eiern und Mehl. Je höher der Kartoffelanteil und je weniger Mehl, desto lockerer wird der Teig. Zum Würzen nimmt man Zucker, Zimt und abgeriebene Zitronenschale. Unbedingt untermischen sollte man Rosinen, die vorher in braunem Rum eingelegt wurden. Der Teig wird zu flachen Frikadellen geformt und in heißem Fett goldbraun gebraten. Puderzucker drüber, Vanilleeis oder Apfelmus – ein Hochgenuss. Und nun begegnete ich dem allen hier wieder, nach gefühlten vierzig Jahren, an dieser traditionsreichen Stätte – besser hätte mein Aufenthalt nicht beginnen können.

Ich kam am nächsten Tag noch einmal in Auerbachs Keller zurück. Diesmal gab es zischendes, frisches Dunkelbier aus der Region und einen knackigen Salat. Aber natürlich hat Leipzig viele empfehlenswerte Gasthäuser, Restaurants, Bistros und Kneipen. Von Hausmannskost bis zur internationalen Küche reicht das Angebot, so wie es sich für eine Messe-, Handels- und Studentenstadt gehört. Nicht zu vergessen die Caféhäuser, denn die Leipziger hatten schon immer eine Schwäche für dieses orientalische Getränk und ihr Tässchen Heeßen, und so ist das Arabische Coffe Baum eines der ältesten erhaltenen und durchgängig betriebenen Café-Restaurants Europas.

    

So kommen Sie hin: Leipzig ist per Bahn (z. B. Frankfurt am Main-Leipzig in gut 3 Stunden) oder Autobahn (A9, A 14, A 38) bestens zu erreichen, ebenso über den Flughafen Leipzig/Halle Airport.

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