Piemont, Städtereisen, Urlaub
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Ein Nachmittag in Orta San Giulio

In Orta San Giulio kann man schon fast das Mittelmeer wittern. Der Ort am Ostufer des gleichnamigen Sees, einem typisch oberitalienischer Alpensee im Piemont, lockt mit südlichem Charme und entpuppt sich als Perle. Wie schön, wenn man sich die Zeit nehmen kann, einmal ein paar Stündchen ganz ziellos und doch wachen Auges durch die engen Gassen zu bummeln.

Orta zählt knapp 1.200 Bewohner und ist recht überschaubar. Verlaufen kann man sich hier kaum. Alles nimmt seinen Anfang an der Piazza Mario Motta, wo auch die Fähren anlegen, welche die wenigen Haltestellen rund um das Seeufer bedienen. Steigt man aus dem Boot, durchquert man einen von zwei Platanenreihen beschatteten Grünstreifen, dahinter liegt quer der malerische Platz, umrahmt an zwei Seiten von einladenden Bistros, Eisdielen und Cafés, diversen Lädchen und einer Tabaccheria. Die gesamte schmale Südseite der Piazza nimmt ein prachtvolles, aber leider recht heruntergekommenes Gebäude ein, das ehemals als Hotel fungierte. Immer, wenn ich nach Orta komme, bin ich gespannt, ob in das Haus endlich wieder Leben eingekehrt ist, und noch immer träumt es unbewirtschaftet vor sich hin – eine morbide Kulisse, an deren Blick sich die Bewohner längst gewöhnt haben.

Von der Piazza führen rechts und links schmale Gassen durch den Ort. Rechts und links bieten kleine, verwinkelte Geschäfte ihre Waren an, von der Boutique für schicke Leinenmode bis zum Delikatessenladen mit Leckereien aus der Region. Der unwiderstehliche Duft lockt mich ins Innere: Ich finde ein Schlaraffenland mit überbordendem Angebot. Die Würste hängen von der Decke, die Auslagen mit den vielen Pasteten, Käse-, Pasta- und Brotsorten, Trüffeln, Oliven und Dolci sind unwiderstehlich…

  

Ich flüchte nach draußen und richte meinen Blick hoch – auf die oberen Fensterreihen, die Giebel und Nischen der eng gedrängt stehenden malerischen zwei- und dreistöckigen Häuser, die den Ort prägen. Viel gibt es hier zu entdecken, Verzierungen, hübsch gearbeitete Ornamente und Simse, Wandmalereien, Türmchen, versteckte Ausblicke. Ich schaue in stille Hinterhöfe und schräge steile Gassen. Die Bewohner beweisen viel Sinn für Stil: bunte Blumenkübel oder subtropische Palmen in schattigen Eingängen, historische Türschildchen an alten schmiedeeisernen Türen – mein Blick bleibt immer wieder hängen. Und so wage ich mich weiter das Sträßchen hinunter, bis weit hinten zum ersten Hotel am Platze: dem altehrwürdigen San Rocco, das über eine Seeterrasse mit fantastischem Panoramablick verfügt. Hier kehre ich um und beschließe, dass es Zeit ist für eine Stärkung.

Auf der Piazza gleich rechts, unter den steinernen Arkaden, nehme ich Platz am Bistrotisch des Pan & Vino. Das gepflegte Spezialitätengeschäft bietet leckere Kleinigkeiten aus seiner gut bestückten Theke an, dazu Weine der Region. Ich entscheide mich für einen erfrischenden Spritz, der mir mit einer kleinen Überraschung zum Naschen serviert wird. Nämlich grüne Oliven und Kirschtomaten mit Mini-Mozzarella, dazu einige Scheiben saftiger Salami, Käsehäppchen und knackige Grissini. Die Häppchen kommen liebevoll angerichtet und sind von bester Qualität. Ich beobachte gelassen das unaufgeregte Leben auf der Piazza und am Hafen. Nehme ich die nächste Fähre über den See oder erst die übernächste? Es sitzt sich so angenehm im Pan & Vino, dass ich beschließe, einen weiteren Spritz zu bestellen. Salute!

  

So kommen Sie hin: Anreise aus Deutschland per Auto durch die Schweiz (ab Frankfurt am Main rund acht Stunden) oder per Flugzeug nach Mailand-Malpensa und dann weiter mit dem Mietwagen. Ferienwohnungen gibt es zum Beispiel über Der Ortasee ruft.

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